Diese Erläuterung der Grundbegriffe des Gesellschaftstanzes ist eine mehr oder weniger freie Übersetzung der Seite von Susan Foord auf homepage.ntlworld.com/susan.foord/dance/dance.htm. Dort gibt es auch darüber hinausgehende Schrittbeschreibungen, allerdings auf Englisch.

Tanzen - Grundbegriffe

Beim Tanzen bewegt man sich zur Musik. Das ist schön anzuschauen, deshalb gibt es beim Tanzen fast immer auch ein Publikum. Beim Ballett, Indischem Tanz u.ä. kommt noch dazu, dass der Tanz eine Geschichte erzählt. Beim Gesellschaftstanz geht es aber vor allem um die Unterhaltung der Tanzenden, weniger um das Publikum.

Sehr geehrte Damen und Herren ...

Bei den meisten Gesellschaftstänzen braucht man ein "Paar" - zwei Personen (Modetänze werden in Gruppen getanzt). Traditionnellerweise besteht das Paar aus einem Mann und einer Frau, oft tanzen aber auch Frauen - seltener Männer - miteinander. In ihrer Funktion als Tänzer bezeichnet man die Beiden aber nicht als Mann und Frau sondern sagt "Herr" und "Dame", das kommt wohl vom guten Benehmen ...

Die Beschreibung der Figuren, die ganze Choreographie der Tänze ist ziemlich einseitig beschrieben: üblicherweise steht, was der Herr zu tun hat, die Dame muss ihm folgen; auch die Bezeichnung der Schritte und der angegebenen Richtung bezieht sich meist auf den Herrn. Eine andere Tradition ist weitgehend verschwunden: nach klassischer Etikette musste die Dame warten, bis sie ein Tänzer aufforderte. Heutzutage - bei selbstbewussten Frauen und schüchternen Männern - kann jede jeden auffordern. Natürlich ist es auch erlaubt, eine Aufforderung zum Tanz abzulehnen - höflich, versteht sich.

Tanzrichtung

Die Richtung der Figuren und die Position der Tänzer wird in Relation zu einer "Tanzrichtung" angegeben. Diese verläuft - parallel zu den Wänden - im Gegenuhrzeigersinn um den Raum. Zu Beginn steht die Dame näher an der Wand, aber das ändert sich während des Tanzes.

Man braucht schon einigen Platz zum Tanzen, insbesondere für die "Standard"-Tänze, bei denen man sich (eben in Tanzrichtung) rund um den Saal bewegt. Lateinamerikanische Tänze brauchen weniger Platz (für ein einzelnes Paar), den Tango Argentino kann man angeblich auf einem Tisch tanzen.

Die Bewegung durch den Raum hängt ebenso wie die Geschwindigkeit vom jeweiligen Tanz ab - Wiener Walzer und Quickstep sind die Formel 1 des Gesellschaftstanzes, langsamer Walzer, Slow Fox und Tango die gemäßigteren Varianten, wobei es aber immer noch zu Zusammenstößen und zerquetschten Füßen kommt, allerdings sind bei den letztgenannten Tänzen blaue Flecken und Knochenbrüche seltener. Zur Vermeidung von derartigen Verletzungen ist es angebracht, schon vom Start weg die richtige Einstellung mitzubringen: Tanzen sollte eher an das Verhalten im Straßenverkehr angelehnt sein, vielleicht noch so wie auf der GO-Kart-Bahn, aber keinesfalls wie beim Autodrom!

Da muss ich auch mit einem weit verbreiteten Missverständnis aufräumen: die Funktion der Dame ist beim Tanzen nicht, wie so viele Männer offenbar glauben, als Schneepflug um die anderen Paare aus dem Weg zu räumen, oder als Schild gegen eigene Verletzungen, vielleicht gar als Speerspitze im Kampf mit unliebsamen Konkurrenten auf der Tanzfläche.

Bei Lateinamerikanischen Tänzen spielt die Tanzrichtung eine untergeordnete Rolle - die Paare verteilen sich im Raum und bleiben mehr oder weniger stationär (mehr bei Rumba, Cha-Cha-Cha und Jive, weniger bei Samba und Paso Doble), dafür werden die Gegner häufiger von herumfliegenden Extremitäten getroffen.

Tanzhaltung, Schritt, Schritt, Wechselschritt

Bei der (geschlossenen) Tanzhaltung für die Standardtänze stehen sich beide Partner gegenüber und jeweils leicht nach links versetzt. Macht ein Partner einen Schritt vorwärts, bringt der andere Partner seinen entsprechenden Fuß in Sicherheit und macht einen Schritt rückwärts. Dass man dabei nicht nur die Beine bewegt sondern den ganzen Körper, trägt viel zur Ästhetik des Tanzens bei - es erleichtert auch die Gewichtsübertragung, wodurch der nächste Schritt mit dem anderen Bein erst ermöglicht wird. Manchmal kommt es bei gewissen Figuren zu einer sogenannten "außenseitigen" Position: der normalerweise innenliegende Fuß (z.B. Herr rechter Fuß vorwärts) muss ausnahmsweise außen an der Partnerin vorbei. Das fällt wesentlich leichter, wenn man den Schritt nicht einfach gerade vorwärts setzt und sich dafür auf zwei völlig getrennten Spuren bewegt, sondern durch eine leichte Drehung des Oberkörpers (Gegenbewegung) die Tanzhaltung weitgehend beibehält, dafür aber den Schritt schräg nach vor macht. Die Dame setzt in diesem Fall den Schritt schräg nach rückwärts an. Ausprobieren - sehr elegant.

Bei Wechselschritten (das kurz-kurz im "kurz-kurz-lang", das "Cha-cha" im Cha-cha-Cha) wird die normale Gehbewegung - Fuß setzen, Gewicht übertragen, anderen Fuß setzen, Gewicht übertragen - dadurch unterbrochen, dass der abgebende Fuß, von dem man sich gerade wegbewegt, an den führenden Fuß herangebracht wird ("schließen") und auch das Gewicht kurz wieder zurück übertragen wird, bevor am nächsten Taktschlag die engültige Gewichtsübertragung folgt. Geschieht das ganze seitwärts, heisst der Schritt Chassé, bei Vorwärts- oder Rückwärtsbewegung meist "Lockstep", weil dabei der Wechselschritt nicht seitlich neben dem anderen Fuß, sondern dahinter (bei Vorwärtsbewegung) oder davor gleichsam "eingesperrt" wird.

Als "Wischer" wiederum bezeichnet man eine Figur, bei der - in normaler Tanzhaltung - ein Seitwärtsschritt hinter (!) dem anderen Bein ausgeführt wird, wobei das Gewicht in den langsamen Standardtänzen vollständig auf den hinterkreuzten Fuß übernommen wird, beim Samba hingegen nur sehr kurz und unvollständig.

Rechts- und Linksdrehungen

Eine Drehung im Uhrzeigersinn wird als "Rechtsdrehung" bezeichnet, eine Drehung gegen den Uhrzeigersinn als Linksdrehung. Egal in welche Richtung, kann man sich durch die richtige Schrittgröße das Leben sehr erleichtern: bei jeder Drehung ist einer der beiden Tanzpartner außen und muss einen längeren Weg zurücklegen, und der andere Partner ist innen und sollte einen kleineren Schritt machen. Besonders beim Wiener Walzer ist darin das Geheimnis der Drehung zu suchen. Einfach zu merken: vorwärts große Schritte, rückwärts kleine Schritte. Bei Kreiseldrehungen bzw. Drehungen im Wiegeschritt wechseln Vor- und Rückwärtsbewegung bei jedem Schritt, daher machen Dame und  Herr gleich große Schritte

Das "Führen"

Der Herr führt die Dame, indem er ihr anzeigt, welche Bewegung, welche Figur als Nächste auszuführen ist. Geführt wird durch Körperhaltung und leichten Druck der Hände - deutlich, aber nicht gewaltsam.

Gewichtsverlagerung auf einen Fuß (gemeinsam mit der damit verbundenen leichten Körperneigung) zeigt an, daß der andere Fuß als nächstes drankommt. Das ist vor allem ganz zu Beginn des Tanzes wichtig. Bei geschlossener Tanzhaltung berühren sich die Hüften und man kann daran die Gewichtsverlagerung erkennen, Körperneigung und -drehung geben die Richtung an.

Die rechte Hand des Herrn am Rücken der Dame kann durch entlasten der Finger und Druck auf den Handballen eine Promenadenposition nach dem Wischer anzeigen, Fingerdruck hingegen zeigt das Schließen nach der Promenade oder die die Drehung zur aussenseitigen Position im Chassé an, evtl. verbunden mit einer Seitwärtsbewegung des rechten Arms.

Das hauptsächliche Geheimnis beim Führen ist aber die Körperhaltung: der Herr muss sich zuerst überlegen, wohin es als Nächstes gehen soll, wohin er also seinen Körper (und die Dame) bewegen will, und dann werden die Fußbewegungen als Mittel zum Zweck benutzt.

In den Lateintänzen hält man sich meist nur an einer Hand - diese muss dann zur Verständigung herhalten werden: Drehungen, Fan, Hockey Stick und die meisten Figuren im Jive werden durch Handhaltung signalisiert.

Unter bestimmten Voraussetzungen darf auch die Dame "führen": wenn sie sieht, dass der Herr beim nächsten Rückwärtsschritt einem anderen Paar in die Quere kommen würde, warnt sie ihn: entweder mit der Hand auf seinem Rücken (bei Standard) oder durch Zug an der Hand bei Latein.